J!Cast 14 Netzneutralität

24.08.06, 14:32:27 von jcast
Jeder, der digitalisierbare Inhalte produziert, kann diese derzeit frei und kostenlos im globalen Internet veröffentlichen - aber dies kann sich vielleicht schon bald ändern. Neue Hardware, die unter anderem den schnellen Transport von Videodateien sicherstellen soll, wird es künftig den Providern ermöglichen, einzelne Inhalteanbieter bevorzugt durchzuleiten und andere gar vollkommen auszuschließen.

Droht damit das Aus des freien Wettbewerbs im Internet? Wird ein staatliches Eingreifen in Form einer Marktregulierung erforderlich?

Gast der Sendung ist Dr. Simon Schlauri, Oberassistent und Habilitand an der Universität Zürich.

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  1. g. sagt:
    Nen par anmerkungen:
    zum juristischen:
    Soweit ich das mitbekommen habe, wird die Netzneutralität (oder Paketgleichbehandlung wie ich das Thema passender beschrieben finde) seit 1996 vom erneuerten Telecommunications Act (1934) in den Paragraphen 201 und 202 implizit geregelt und nur das explizite Ausschreiben derselben in einem neuen Gesetz ist gescheitert?
    Oder wurden diese Sektionen explizit mit einem neuen Gewsetz nur für das Internet eingeschränkt?

    zum gesellschaftlichen:
    Es wär vielleicht wichtig gewesen, zu sagen, dass die Gesetzgebung der USA deshalb so wichtig ist, da dort durch ICANN, IETF und andere ansässige Organisationen de facto die Internetregierung sitzt ;-)

    zum technischen:
    Im Internet wird technikbedingt für /jedes/ paket *immer* *nur* "best effort" gemacht. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.
    Was mit der Abschaffung der Paketgleichbehandlung erreicht werden soll, ist die Möglichkeit dieses "Best Effort" nur für bestimmte Dienste zu aktivieren bzw implementieren und somit gegen andere zu diskriminieren.
    Das hat auch nix mit garantierten Bandbreiten zu tun. wenn Dein Server und die Leitung Deines Kunden eine bestimmte Bandbreite bereitstellen, und die dazwischenliegende Infrastruktur in der Lage ist, diese zu transportieren, dann wird der Kunde auch heute schon mit dieser Bandbreite beliefert.
    Der Punkt liegt eben exakt darin, wie Herr Schluri auch später sagt, dass der Internetprovider in den Traffic des Kunden schaut und beschliesst, dass zB World Of Warcraft-Pakete nur mit massiver Verzögerung weitergeleitet werden (also effektiv den Spielablauf sabotieren), weil die Firma die das Spiel betreibt sich weigert "Zugangsgeld" zu ihrem Kunden zu bezahlen.
    Was Kritiker dazu veranlasst, den Umkehrschluss zu ziehen und zu sagen, dass die Abschaffung der Paketgleichbehandlung es den Internetprovidern ermöglicht, ihre Kunden als Geisel zu nehmen und Diensteprovider um Geld zu erpressen, wollen diese weiterhin Zugang zu ihren Kunden haben.
  2. g. sagt:
    Ich meinte natürlich Herrn Schlauri, sorry.
  3. Simon Schlauri sagt:
    Danke für den Kommentar!
    Von einer bisherigen Regelung im Telecommunications Act ist mir nichts bekannt. Es gibt bislang eine Äusserung der FTC zu vier "Internet Freedoms", an denen sie ihre Entscheidungen bisher ausgerichtet hat. Dazu den Text von Lawrence Lessig: http://commerce.senate.gov/pdf/lessig-020706.pdf

    Zur Technik ist etwa Ed Feltens Text lesenswert: http://itpolicy.princeton.edu/pub/neutrality.pdf

    Es ist tatsächlich so, dass die angesprochenen "Next Generation Networks" auch "best effort"-Services anbieten können. Sie können aber auch mehr, wenn man so genannte "QoS"-Technik einsetzt (Quality of Service; und dabei geht es nicht nur um Bandbreiten, das ist richtig). Dazu auch der Text von Felten.

    Der zitierte Text von Atkinson/Weiser ist hier abrufbar:
    http://www.innovationpolicy.org/pdf/netneutrality.pdf

    Und der zitierte Text von van Schewick zum Thema hier:
    http://ssrn.com/abstract=812991

    Die englische Wikipedia ist im Übrigen auch ziemlich informativ zum Thema.

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